Demenz

 

 

2015 - Sommer des Vergessens?

 

Man könnte diese Zeit und die folgenden Monate  fast dafür halten, fällt es doch schwer, dem Thema Demenz zu entgehen. Im Kino haben die Einen ’Honig im Kopf’, eine Frau betont, ’Still Alice’ zu sein. ’Der Vater’, im Hamburger St. Pauli-Theater hervorragend gespielt von Volker Lechtenbrink, lässt die Zuschauer erahnen, wie es ist, wenn einem der Alltag entgleist. Die Verunsicherung, die jemand empfindet, der seinen Eindrücken nicht mehr trauen kann und Anderes erlebt als seine Umgebung behauptet, überträgt sich durch eine geschickte Dramaturgie auf das Publikum. Das Stück soll wieder in den Spielplan aufgenommen werden.

 

 

Unabhängig von der Frage, ob eine Demenz nun eine Krankheit ist oder eine mögliche Form des Alterns, ist es lobenswert, dieses Phänomen des Vierten Lebensalters – wie Reimer Gronemeyer es nennt - zu entdämonisieren. Aber wir brauchen mehr, müssen

 

Demenz als gesellschaftliche Herausforderung

 

annehmen. Das habe ich mit einer vierteiligen Gesprächsreihe im Deutschen Hygienemuseum Dresden getan. An vier Donnerstagen habe ich einige Aspekte dazu beleuchtet:

 

’Die Angst vor Demenz und wie man mit ihr umgeht’ stand am Beginn der Reihe,

am 21. Mai 2015.

 

Lieber tot als dement?

 

habe ich Heinrich Grebe vom Institut für Kulturanthropologie und empirische Kulturwissenschaft der Universität Zürich gefragt. Er forscht zur Darstellung der Demenz in den Medien, die als geradezu apokalyptische Bedrohung inszeniert wird.

 

Ulla Klinger von der Seniorenberatungsstelle des Dresdener Pflege- und Betreuungs-vereins steuerte die praktische Erfahrung aus ihrem Beratungsalltag bei. Wir haben gemeinsam mit dem Publikum erörtert, welches Menschenbild der Dramatisierung der Demenz zugrunde liegt und wie trotz alledem ein gutes Leben möglich ist.

 

Das bin immer noch ich!

 

ist die geradezu trotzige Antwort von Menschen, die wegen kognitiver Einschränkungen oft nicht mehr für voll genommen werden. Das war auch die Überschrift für die zweite Veranstaltung unserer Reihe. Die bange Frage ist, was geschieht mit mir, wenn ich nicht mehr in der Lage bin, über mich selbst zu bestimmen?

 

Wir haben darüber diskutiert, dass Menschenwürde mehr ist als Selbstbestimmung. Der Arzt und Philosoph Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner war dabei, Nestor der Deutschen Sozialpsychiatrie. Schon in den sechziger Jahren hat er den Grundstein gelegt für ein gesellschaftliches Umdenken gegenüber den so genannten Verrückten - mit seinem Standardwerk „Bürger und Irre“.

Die Journalistin Sabine Bode fordert ’Frieden schließen mit Demenz’ in ihrem gleichnamigen Buch. Und der Pflegepädagoge Erich Schützendorf reklamiert als Autor ’Das Recht der Alten auf Eigensinn’. Mit diesen Gesprächspartnern habe ich die  Menschenwürde zwischen Autonomie und Fürsorge betrachtet. Am 28. Mai 2015.

 

 

Auch Menschen mit Demenz sterben und haben - wie jüngere Tumor- und AIDS-Patienten in Hospizen - das Recht, bis zum letzten Atemzug gut versorgt zu werden. ’Sterbende mit Demenz begleiten’ wollen Silvia Bogdanova als Leiterin eines Seniorenpflegeheims in Gera und die Pflegemanagerin Prof. Dr. Veronika Schraut, die an einer Fachhochschule lehrt. Sind die Helferinnen und Helfer im Pflegealltag

 

Auf Abruf?

 

Oder sind es die Gepflegten? Wir haben uns über Probleme der Praxis ausgetauscht, über strukturelle Defizite und über die Möglichkeiten, Menschen mit einer Demenz in ihrer letzten Lebensphase gerecht zu werden – ohne die Verantwortung hochspezialisierten Expertenteams zu überantworten. Das war am 4. Juni 2015.

 

 

Zum Abschluss der Reihe waren wir dann am 11. Juni 2015 - und sind es noch - ’Auf dem Weg zur sorgenden Gemeinschaft’. Im Mittelpunkt stand die

 

Demenzfreundliche Kommune

 

Wir haben gezeigt, welche politischen Weichenstellungen nötig sind, damit die zahlreichen Initiativen landauf, landab nachhaltigen Erfolg in ihrem Bemühen haben, das Leben von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen zu verbessern. Es geht um etwas Anderes als professionelle Versorgungsstrukturen durch Dienstleister, nämlich um eine Strategie, die soziale Isolation zu durchbrechen. Ein Grundsatz der Aktion Demenz ist ’Menschen mit Demenz gehen uns Alle an!’ Das hat ihr Vorsitzender auch an diesem Abend betont. Der Soziologe und Theologe Prof. Dr. Dr. Reimer Gronemeyer diskutierte mit den Praktikerinnen Eva Helms von der Familieninitiative Radebeul und der Pflegewirtin Christiane Dumke vom Pflegenetz Dresden.

 

Alle Veranstaltungen haben statt im Hygienemuseum Dresden stattgefunden. Informationen finden Sie unter www.dhmd.de

 

 

Aktion Demenz


Zur gesellschaftlichen Herausforderung Demenz habe ich Fernseh- und Hörfunkbeiträge realisiert und Artikel geschrieben, Hinweise finden Sie auf den Seiten “Reportage” und “Feature”.

 

Über die journalistische Arbeit hinaus bin ich in der “Aktion Demenz” engagiert, arbeite im Vorstand mit. Die Kontaktdaten finden Sie unten auf der Seite.

 

Koordiniert habe ich u. a. eine Arbeitsgruppe zum Thema “Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus“.

 

Das hatten wir vor:

Viele unserer Kliniken sind nicht darauf vorbereitet, dass immer mehr Menschen in immer höherem Alter als Patienten zu ihnen kommen, darunter etliche mit einer Demenz. Werden sie in Akutkliniken eingeliefert - sei es nach einem Unfall oder aufgrund einer akuten Erkrankung - beginnt ein Teufelskreis: Die Verwirrten finden sich nicht zurecht, ziehen sich zurück oder “mischen den Laden auf”, nerven Personal und Mitpatienten, da sie sich weder ausreichend verständlich machen noch am Heilungsprozeß mitarbeiten können. Nicht selten werden sie in schlechterem Zustand entlassen als sie eingeliefert worden sind.

Diesen Teufelskreis versucht man in einigen Kliniken zu durchbrechen. Begleitet durch Forschung versucht das Personal, neue Wege in der Ansprache und Behandlung der Patienten mit Demenz zu gehen. Erste Auswertungen zeigen die Erfolge dieses Umdenkens.

 

Unsere Arbeitsgruppe aus Praktikern und Wissenschaftlern hatte sich das Ziel gesetzt, diese Vorhaben zu unterstützen. Wir haben die Probleme aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Beteiligten analysiert und   Lösungsansätze diskutiert. Aus dem Prozeß des Umdenkens und Umgestaltens – nicht selten gegen Widerstände in den eigenen Reihen oder bei den Trägern – lassen sich Strategien entwickeln, wie allen in den Kliniken geholfen werden kann – Patienten, Angehörigen und Klinik-Personal.

Die Robert Bosch Stiftung hat inszwischen ein bundesweites Projekt gestartet und unterstützt Kliniken auf ihrem Weg zum demenzsensiblen Krankenhaus. Informationen finden Sie auf folgender Seite:

 

www.bosch-stiftung.de

 

dann klicken Sie an "Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus".

 

 

Die Aktion Demenz erreichen Sie wie folgt:

 

www.aktion-demenz.de


Aktion Demenz e. V.

Karl-Glöckner-Str. 21 E

35394 Gießen

Tel. 0641/99 232 06

info@aktion-demenz.de