V e r g e s s e n

Gefiele es Allen, hätte ich ’was falsch gemacht!

Die ersten Rezensionen und Stellungnahmen sind erschienen. Es ist klar, dass ein Buch über die gesellschaftliche Herausforderung Demenz Widerspruch auslöst. Zu unterschiedlich sind die Interessen derer, die mit dem Thema zu tun haben, als dass ich es ihnen allen hätte recht machen können. Das war auch nicht meine Absicht. Genau das heben manche Rezensenten lobend hervor, während es für andere eine Zumutung zu sein scheint, einmal eine andere Perspektive einzunehmen ...

 

 

 

 

 

 

 

Burkhard Plemper

... und nichts vergessen?!

Die gesellschaftliche

Herausforderung Demenz

1. Auflage 2018

286 Seiten kartoniert

ISBN 978-3-525-71148-4

Vandenhoeck & Ruprecht

Erschienen am 10. September 2018

20,00 €

 

 

Einige Stimmen

 

Ein hervorragend geschriebenes, ungemein wichtiges Buch voller neuer Perspektiven. Stefan Teplan, neue caritas

Herausforderung für alle: Demenz

Auf die in der Fachwelt immer noch umstrittene Frage,

ob Demenz eine Krankheit oder eine unausweichliche

Alterserscheinung sei, lässt sich Burkhard Plemper

erst gar nicht ein. Er geht nicht als Mediziner, Psychiater

oder Pflegefachkraft an das Thema heran. Gibt es

doch Bücher aus deren Perspektive mehr als genug.

Plemper behandelt die Demenz aus dem Blickwinkel

des Journalisten und Soziologen. Die Fragen, die er aufwirft,

sind gesellschaftlicher Natur: „Wie“, fragt er

etwa, „betrachten wir das Phänomen Demenz und

Menschen mit Demenz, wenn wir sie nicht einfach den

Profis aus Pflege und Medizin überlassen oder im Alltag

versuchen, deren Ansprüchen gerecht zu werden?“

Auffallend dabei: Plemper spricht von „Menschen mit

Demenz“ und nicht von an Demenz Leidenden (was

implizierte, dass Demenz eine Krankheit sei und dass

der Betroffene überhaupt leide). Folglich fordert er für

sie menschlichen Umgang, Respekt, Würde und Anerkennung

als Bürger(innen) ein sowie die Schaffung

einer „tragenden sozialen Infrastruktur“ – eine Herausforderung

für die Gesellschaft und nicht nur für Mediziner.

Dabei tastet Burkhard Plemper auch tabuisierte

Themen wie die – individuell sicher unterschiedlichen

– Grenzen der Zumutbarkeit für Angehörige und andere

Pflegende ab. Ausdrücklich warnt er davor, Demenz

zu dämonisieren, statt sie als Alltagsphänomen wahrzunehmen,

mit dem umzugehen wir alle lernen müssen.

Plempers Forderungskatalog ist nicht einfach

umzusetzen. Aber, so schließt der Autor sich einer

Argumentation der „Aktion Demenz“ an, wäre er das,

so wäre das „auch keine Herausforderung.“ Ein hervorragend

geschriebenes, ungemein wichtiges Buch voller

neuer Perspektiven.

 

Stefan Teplan, Journalist, Freiburg in: neue caritas 18/2018

 

 

 

Hoffnung gemacht, ohne etwas zu beschönigen ...  Susanne Busch HAW Hamburg

Zunächst möchte ich mich bei Ihnen Herr Plemper für ein Buch bedanken, das es schon lange geben sollte, ein Buch das einen ganz anderen Blick auf ein gesellschaftliches hochrelevantes Thema wirft, als die fachwissenschaftliche, die belletristische und massenmediale Aufarbeitung leisten will und vielleicht auch kann. Dabei haben Sie umfassend recherchiert, spannende Gespräche geführt, innovative Ansätze im Umgang mit dem Thema ausfindig gemacht, und immer den Bezug zu den relevanten wissenschaftlichen Quellen behalten, diese in der Diskussion berücksichtigt, manches kritisch hinterfragt, viele Fragen aufgeworfen und viel Stoff zum Nachdenken geliefert und – wie ich finde – auch Hoffnung gemacht, ohne etwas zu beschönigen.

Prof. Dr. Susanne Busch, HAW Hamburg am 17.09.2018 Hamburger Mittagsgespräch der Ev. Akademie der Nordkirche, Hamburg

 

 

 

Im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend scheint man darauf zu beharren, dass Demenz ein Thema vor allem für die Medizin sei:

 

Die Schulmedizin schneidet nicht sonderlich gut ab ... Wegweiser Demenz

Leider wird das Buch von Burkhard Plemper „…und nichts ist vergessen?! Die gesellschaftliche Herausforderung Demenz“ nicht mit in die Literaturliste aufgenommen.

Sicherlich werden viele wichtige Themen im Bezug des gesellschaftlichen Wandels in Verbindung mit der Demenzkrankheit angesprochen. Man stellt sich allerdings auch die Frage, ist Alzheimer nun eine Krankheit oder eben nur ein Anhängsel des Alterns. Gewiss wünscht man sich in der Forschung entsprechende Ergebnisse, dass die Krankheit irgendwann geheilt werden kann. In dem Buch schneidet die Schulmedizin allerdings nicht sonderlich gut ab, es werden aber auch keine neuen Erkenntnisse oder Lösungen aufgezeigt. Deshalb wird von einer Aufnahme abgesehen.

30.10.2018 Nachricht vom Wegweiser Demenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf die Anregung des Verlages, mein Buch in die Literaturliste des Wegweisers aufzunehmen. Ob diese Einschätzung mehr über mein Buch oder über den Wegweiser Demenz aussagt, mögen die Leserinnen und Leser entscheiden.

 

 

 Für manche Leser ist es schon zu viel, wenn Autoren zitiert werden, die anderer Meinung sind – wobei für sie festzustehen scheint, dass ich mir die Thesen und Ansichten dieser Autoren zu eigen mache:

 

Ein typisches Theoretikerbuch, fernab der Wirklichkeit der Betroffenen und deren Familien ... Anonym, amazon

Mir ist nach der Lektüre nicht ganz klar, was der Autor eigentlich mit seinem Werk möchte.
Einerseits spricht er richtig und wichtig an, dass es gesellschaftlicher Veränderungen für den Umgang mit dem Thema Demenz geben muss. Diese "Aufrufe" gibt es in verschiedenen Formen und neu ist nichts daran.
Andererseits ist überdeutlich, wie einseitig und theoretisch sich der Autor mit dem Thema befasst hat - wohl mehr oder minder, um seine vorgefertigte Meinung zu stützen?
[...]

Wenn jemand nicht krank ist, sondern nur eine "alternative Lebensweise" (od. "normales Altern") an den Tag legt, hat er auch im Übrigen keinen Anspruch auf Leistungen aus Kranken- und Pflegeversicherung.... . Schon daran erkennt man, dass dieses Buch ein typisches Theoretikerbuch ist, fernab der Wirklichkeit der Betroffenen und deren Familien.
Letztlich springt der Autor lediglich auf einen Modezug auf, der die Realitäten der Familien und Betroffenen ausblendet und von der Gesellschaft einfach Akzeptanz einfordert.
Dass Menschen mit Demenz zur Gesellschaft gehören wie jeder andere Bürger auch, bestreitet wohl niemand. Welchen Umgang wir pflegen wollen und müssen, darf und muss diskutiert werden. Allerdings wird dies kaum gelingen, indem man das Leid und die Belastungen der Betroffenen und deren Familien negiert, kleinredet. Und auch verschiedene Unterstellungen an Mediziner helfen hierbei nicht. Schlagwörter wie "Schulmedizin" und das herausheben von Leuten wie Whitehouse und Taylor als "Vordenker" verschärfen den Eindruck, der Autor habe sich nicht ausreichend mit der Thematik befasst, sondern stützt lediglich sein persönliches Weltbild der "Alternativmedizin" und schrappelt nur haarscharf an Verschwörungstheorien vorbei. Wenigstens hat er sich einer Empfehlung zur Verabreichung von Zauberzucker enthalten.
[...]

29.10.2018 Ein Kunde/eine Kundin anonym als Kommentar auf der Seite von amazon. Mir ist nicht klar, welches Buch sie/er gelesen hat:

Worin die Kritikerin/der Kritiker die Verbindung zur ’Alternativmedizin’ sieht, ist mir schleierhaft – der genannte Whitehouse ist Neurologe in den USA, Taylor war Psychologe mit schließlich eigener Demenzgeschichte. Zu den Verschwörungstheorien, denen ich mich angeblich nähere, würde ich gern mehr erfahren. Ich behaupte nicht, Ursachen der Demenz zu kennen. Das fällt nicht in meine Kompetenz. Aber bei anonymen Stellungnahmen scheint es auf Fakten nicht so anzukommen ...

 

 

 

Plempers Buch ist ein wichtiger, facettenreicher Beitrag für eine demenzfreundliche Welt. Unbedingt lesenswert!

Heinz-Gerhard Wilkens, Corperate Social Responsibility der HanseMerkur Versicherungsgruppe, 21.09.2018

 

Der Soziologe und Journalist Burkhard Plemper, Vorstandsmitglied der Aktion Demenz, hat mit „…und nichts vergessen?!“ jetzt ein bemerkenswertes Buch geschrieben und am 17. September im Rahmen der „Hamburger Mittagsgespräche“ der Evangelische Akademie der Nordkirche und der Buchhandlung stories! vorgestellt. Er ist für sein Buch kreuz und quer durch Deutschland gereist und hat versucht, Antworten auf die Frage zu finden, wie es gelingen kann, Menschen mit Demenz nicht auszugrenzen, sondern ihnen auch zivilgesellschaftlich die Hand zu reichen. Wie man der Dämonisierung der Krankheit oder des Syndroms entgegentreten kann. Wie man dafür werben kann, dass Alter eben auch Vulnerabilität bedeutet und damit einen Abbruch unseres Machbarkeitswahns. Plemper zitiert den Mediziner und Psychiater Klaus Dörner, der Demenz als eine neue menschliche Seinsweise beschreibt, die sich mit dem Alter entwickelt. Plemper selbst schreibt: „Es gibt Anregungen, aber keine Rezepte“. Aber es gibt Leitplanken, welche die Aktion Demenz, für die er sich seit 2006 engagiert, im „Esslinger Aufbruch“ formuliert hat: „Menschen mit Demenz sind Bürger! Menschen mit Demenz gehören dazu! Menschen mit Demenz haben Rechte! Menschen mit Demenz gehen uns alle an! Menschen mit Demenz brauchen unsere Phantasie!“

 

Burkhard Plemper sucht in seinem Buch „…und nichts vergessen?! Die gesellschaftliche Herausforderung Demenz nach Wegen, wie ein gutes Leben auch mit Demenz möglich ist. Schließlich haben nach einer forsa-Studie für die DAK-Gesundheit aus dem Jahre 2015 48 Prozent der Deutschen Angst davor, an Alzheimer oder Demenz zu erkranken. Und er liefert Best-Practice-Beispiele aus dem Main-Kinzig-Kreis oder dem sauerländischen Arnsberg. Er hat mit Polizisten, Mitarbeitern von Rettungsdiensten, Personal demenzsensibler Krankenhäuser und vor allem mit zahlreichen Betroffenen gesprochen. Er hat Wohngruppen im niederländische Demenzdorf De Hogeweyk besucht und dort die holländische Expertin Yvonne van Amerongen interviewt. Sie sagt: „Das gibt zwei Möglichkeiten. Die Welt wird demenzfreundlich sein oder man hat eine Medizin gefunden. Das dauert noch sehr lange, das habe ich gehört. Und bis dann, ja, versuchen wir es so. Es wäre wirklich am besten, dass die Welt demenzfreundlich wird!“

 

Plempers Buch ist ein wichtiger, facettenreicher Beitrag für eine demenzfreundliche Welt. Unbedingt lesenswert!

 

 

Darum geht es:

Demenz ist eine gesellschaftliche Herausforderung! Wir dürfen den Umgang damit nicht in die Pflegeheime verbannen und nicht in den Familien verstecken. Wir reden viel über Demenz. Mehr über Menschen mit Demenz als mit ihnen. Mehr über eine ungewisse Zukunft als darüber, was in der Gegenwart zu tun ist. Mehr über befürchtete Einschränkungen als über verbleibende Möglichkeiten. Allerorten wird die alternde Gesellschaft beschworen, wird das Bild einer zunehmend verwirrten und pflegebedürftigen Bevölkerung der Öffentlichkeit präsentiert, für die immer weniger Pflegepersonen bereitstehen werden, geschweige denn das Geld, sie als Dienstleister zu bezahlen.

Ich suche nicht nach den Ursachen dieses Phänomens, gebe in meinem Buch keine Tipps, wie eine Demenz zu vermeiden oder gar zu heilen ist. Ich setze mich aus einem anderen Blickwinkel mit der Demenz auseinander und stelle gesellschaftliche Reaktionen in den Mittelpunkt:

So lasse ich Sie teilhaben am ersten öffentlichen Auftritt einer inzwischen bekannten Aktivistin, die ihr Pseudonym ablegt hat und nun offen mit ihrer Demenz umgeht, an der Verzweiflung und der Hoffnung des Juristen, der trotz der mitunter erdrückenden Fürsorglichkeit seiner Frau noch ein gutes Leben haben will.

Kommen Sie mit zu Familien, die durch die Demenz eines Angehörigen an den Rand ihrer Belastbarkeit geraten. Erleben Sie eine Wohngemeinschaft, in der Menschen mit Demenz dank professioneller Hilfe gemeinsam ihren Alltag bewältigen. Begleiten Sie eine Pflegekraft auf der Dementenstation eines Heimes und bilden Sie sich selbst ein Urteil, was dran ist an der spektakulären Idee eines Demenzdorfes in Holland. Vielleicht sind Sie mehr von den Versuchen beeindruckt, Städte und Gemeinden zu ‚demenzfreundlichen Kommunen’ zu machen – etwa durch ein spannendes Projekt in der Nachbarschaft.

Ich werde der Frage nachgehen, warum ausgerechnet die Demenz einen solchen Schrecken verbreitet und welchen Niederschlag der in den Medien, aber auch in der Literatur und auf der Bühne findet.

Denn die gesellschaftliche Herausforderung Demenz geht alle an. Sie ist eine Aufgabe der Zivilgesellschaft. Ich stelle Menschen vor, die mit Ihren Ideen und Initiativen Mut machen. Sie stellen sich ihrer Demenz und engagieren sich.

Gemeinsame Sorge ist so viel mehr als Pflege!

 

 

Sie sind gefragt!

 

Der Verlag Vandenhoeck & Ruprecht hat einen BLOG eingerichtet, auf dem wir miteinander ins Gespräch kommen können: Sie, die Leserinnen und Leser mit mir, dem Autor. Klicken Sie den link einfach an und schreiben Sie, was Sie zum Thema meinen:

https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/blog/der-gesellschaftliche-ort-von-demenz-oder-dem-schrecken-seinen-schrecken-nehmen

Ich interessiere mich für Ihre Erfahrungen. Vielleicht sehen Sie Demenz ja ganz anders als ich? Vielleicht sind Sie der Meinung, wir sollten anders mit den Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen umgehen? Vielleicht haben Sie konkrete Vorschläge?

Für all das ist Platz. Ich bin gespannt, was Sie dazu sagen.

 

 

Das Feature

Die Angst vor dem Vergessen. Eine Lange Nacht über Demenz

Samstag, 22. September 2018, 00.05 – 03.00 Uhr

Deutschlandfunk Kultur

Samstag, 22. September 2018, 23.05 – 02.00 Uhr Sonntag Deutschlandfunk

Es scheint so ziemlich das Schlimmste zu sein, das einem alt werdenden Menschen passieren kann: Demenz. Die Angst vor dem Vergessen greift um sich. Wer es bemerkt, zieht sich zurück, aus Scham und voller Angst, aus der Rolle zu fallen. Angehörige trifft es genauso wie den, der sich nicht mehr erinnert, was im Moment zuvor geschehen ist.

Was ist daran so furchtbar? Burkhard Plemper hat Menschen mit Demenz getroffen und mit ihnen, mit Angehörigen, Pflegekräften, Ärzten, Wissenschaftlern, Polizisten und vielen Anderen gesprochen. Er war im Heim und im berühmten Demenzdorf De Hogeweyk in Holland, hat auf einem Kongress gehört, wie sich Menschen mit Demenz selbstbewusst zu Wort melden. In der Langen Nacht können Sie miterleben, wie in einer Kleinstadt Nachbarn dafür sorgen, dass Angehörige entlastet werden und in einer demenzfreundlichen Kommune der Bürgermeister die Sorge für die Betroffenen zu seiner Sache macht.

Der Autor geht der Frage nach, welche Horror-Bilder wir im Kopf haben und was Literatur und Theater dagegen tun können. Ein gutes Leben mit Demenz ist möglich. Das sagen Fachleute, die nicht länger darum streiten wollen, ob dieses Phänomen des Alterns eine Krankheit ist, sondern sich Gedanken machen, wie man damit lebt.

Und wenn es nicht mehr geht in der eigenen Wohnung und auch nicht bei den Kindern? Wenn die Pflege immer wichtiger wird? Dann gibt es noch die Wohngemeinschaften. Auch die besuchen wir. In der Langen Nacht der Demenz.

Nach dem Welt-Alzheimertag.