V e r g e s s e n

Das Buch

 

Burkhard Plemper

... und nichts vergessen?!

Die gesellschaftliche Herausforderung Demenz

1. Auflage 2018

286 Seiten kartoniert

ISBN 978-3-525-71148-4

Vandenhoeck & Ruprecht

Erscheint im Oktober 2018

ca. 20,00 €

 

Demenz ist eine gesellschaftliche Herausforderung! Wir dürfen den Umgang damit nicht in die Pflegeheime verbannen und nicht in den Familien verstecken. Wir reden viel über Demenz. Mehr über Menschen mit Demenz als mit ihnen. Mehr über eine ungewisse Zukunft als darüber, was in der Gegenwart zu tun ist. Mehr über befürchtete Einschränkungen als über verbleibende Möglichkeiten. Allerorten wird die alternde Gesellschaft beschworen, wird das Bild einer zunehmend verwirrten und pflegebedürftigen Bevölkerung der Öffentlichkeit präsentiert, für die immer weniger Pflegepersonen bereitstehen werden, geschweige denn das Geld, sie als Dienstleister zu bezahlen.

Ich suche nicht nach den Ursachen dieses Phänomens, gebe in meinem Buch keine Tipps, wie eine Demenz zu vermeiden oder gar zu heilen ist. Ich setze mich aus einem anderen Blickwinkel mit der Demenz auseinander und stelle gesellschaftliche Reaktionen in den Mittelpunkt:

So lasse ich Sie teilhaben am ersten öffentlichen Auftritt einer inzwischen bekannten Aktivistin, die ihr Pseudonym ablegt hat und nun offen mit ihrer Demenz umgeht, an der Verzweiflung und der Hoffnung des Juristen, der trotz der mitunter erdrückenden Fürsorglichkeit seiner Frau noch ein gutes Leben haben will.

Kommen Sie mit zu Familien, die durch die Demenz eines Angehörigen an den Rand ihrer Belastbarkeit geraten. Erleben Sie eine Wohngemeinschaft, in der Menschen mit Demenz dank professioneller Hilfe gemeinsam ihren Alltag bewältigen. Begleiten Sie eine Pflegekraft auf der Dementenstation eines Heimes und bilden Sie sich selbst ein Urteil, was dran ist an der spektakulären Idee eines Demenzdorfes in Holland. Vielleicht sind Sie mehr von den Versuchen beeindruckt, Städte und Gemeinden zu ‚demenzfreundlichen Kommunen’ zu machen – etwa durch ein spannendes Projekt in der Nachbarschaft.

Ich werde der Frage nachgehen, warum ausgerechnet die Demenz einen solchen Schrecken verbreitet und welchen Niederschlag der in den Medien, aber auch in der Literatur und auf der Bühne findet.

Denn die gesellschaftliche Herausforderung Demenz geht alle an. Sie ist eine Aufgabe der Zivilgesellschaft. Ich stelle Menschen vor, die mit Ihren Ideen und Initiativen Mut machen. Sie stellen sich ihrer Demenz und engagieren sich.

 

Gemeinsame Sorge ist so viel mehr als Pflege!

 

 

Das Feature

 

Die Angst vor dem Vergessen. Eine Lange Nacht über Demenz

Samstag, 22. September 2018, 00.05 – 03.00 Uhr

Deutschlandfunk Kultur

Samstag, 22. September 2018, 23.05 – 02.00 Uhr Sonntag Deutschlandfunk

 

Es scheint so ziemlich das Schlimmste zu sein, das einem alt werdenden Menschen passieren kann: Demenz. Die Angst vor dem Vergessen greift um sich. Wer es bemerkt, zieht sich zurück, aus Scham und voller Angst, aus der Rolle zu fallen. Angehörige trifft es genauso wie den, der sich nicht mehr erinnert, was im Moment zuvor geschehen ist.

Was ist daran so furchtbar? Burkhard Plemper hat Menschen mit Demenz getroffen und mit ihnen, mit Angehörigen, Pflegekräften, Ärzten, Wissenschaftlern, Polizisten und vielen Anderen gesprochen. Er war im Heim und im berühmten Demenzdorf De Hogeweyk in Holland, hat auf einem Kongress gehört, wie sich Menschen mit Demenz selbstbewusst zu Wort melden. In der Langen Nacht können Sie miterleben, wie in einer Kleinstadt Nachbarn dafür sorgen, dass Angehörige entlastet werden und in einer demenzfreundlichen Kommune der Bürgermeister die Sorge für die Betroffenen zu seiner Sache macht.

Der Autor geht der Frage nach, welche Horror-Bilder wir im Kopf haben und was Literatur und Theater dagegen tun können. Ein gutes Leben mit Demenz ist möglich. Das sagen Fachleute, die nicht länger darum streiten wollen, ob dieses Phänomen des Alterns eine Krankheit ist, sondern sich Gedanken machen, wie man damit lebt.

Und wenn es nicht mehr geht in der eigenen Wohnung und auch nicht bei den Kindern? Wenn die Pflege immer wichtiger wird? Dann gibt es noch die Wohngemeinschaften. Auch die besuchen wir. In der Langen Nacht der Demenz.

Nach dem Welt-Alzheimertag.